Verwahrlost unsere Muttersprache?

Die „Hypo Real Estate“ heißt jetzt „Deutsche Pfandbriefbank“

Fernwald (23. Juli 2009) - „Gibt es jetzt einen neuen deutschen Kurort Bad Bank?“ Mit dieser Frage überraschte der Regionalvorsitzende Mittelhessen Adolf Wallbott die Vorstandsmitglieder des Vereins Deutsche Sprache e.V. in der Sitzung im Bacchuskeller in Steinbach. Die Antwort war schnell gefunden.

Nach Meinung der Sitzungsteilnehmer wäre es besser gewesen, statt „Bad Bank“ Bezeichnungen wie „Auffangbank“ oder „Schrottbank“ zu wählen, denn nach einer Meldung der Tagesschau könnten nämlich „faule Papiere faktisch auf eine Müllhalde – einer „schlechten Bank“ – ausgelagert werden. Das Beispiel beweise, dass die derzeitige Banken- und Wirtschaftskrise auch ein Ergebnis der sprachlichen Verwahrlosung sei, weil viele Banken ihre Kunden durch ominöse Formulierungen und Versprechungen in die Irre geführt hätten. Als weiteres markantes Beispiel nannte Wallbott den „Bad Guide“ in der benachbarten Kurstadt Bad Nauheim. Hier zeige sich der Unsinn, wenn die deutsche und englische Sprache zu „Denglisch“ verpanscht würden.

Der Verein Deutsche Sprache setze sich weiterhin für die sorgfältige Verwendung der deutschen Sprache ein. Wallbott nannte konkrete Beispiele für „Lichtblicke“ in dieser Grauzone.

Die „Hypo Real Estate“ heiße seit dem 29. Juni offiziell „Deutsche Pfandbriefbank“. Der Präsident der Bundesapothekerkammer Dr. Ulrich Krötsch sei vom Saulus zum Paulus geworden. Er habe den Sprachschützern schriftlich zugesagt, dass er „zukünftig darauf achten werde, englische Abkürzungen tunlichst zu vermeiden.“ Krötsch sei damit der erste gewesen, der feierlich aus Sprachsünder-Ecke entlassen worden sei.

Weitere Lichtblicke:

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vermeide den Begriff „Gender Mainstream“ und benutze statt dessen den Ausdruck „Geschlechtergerechtigkeit“. Das Amtsgericht Ansbach verwende statt „online“ die Bezeichnung „Für Sie auf Draht“ und für „hotline“ die Bezeichnung „Für Sie ganz Ohr“.

Der Stadtrat von Gera habe eine städtische Gesellschaft „Gera Kultur GmbH“ genannt und den Vorschlag „Gera Event GmbH“ abgelehnt. Im Umfeld des Arbeitsrechts steige der Widerstand gegen Anglizismen. So werde statt von „Low-Performern“ (Faulpelzen) immer öfter von „Minderleistern“ gesprochen. Der neue Werbespruch des Handelskonzerns Metro laute „Zum Handeln geschaffen“ statt seither „made to trade“.

Eine große Bäckerei in Westfalen, die bisher „Backfactory“ hieß, wurde umbenannt, nachdem ein Kunde ironisch nach der „Rückenfabrik“ gefragt hatte. Die Frankfurter Neue Presse benenne ihre Rubriken neu: Aus „Spotlight“ der Musikseite sei „Saitenhieb“ und aus „On Tour“ sei „Unterwegs“ geworden.

Wallbott sprach abschließend die Hoffnung aus, dass es künftig auch im heimischen Raum wieder solche Lichtblicke geben werde, und nannte als Beispiel für schlechten Sprachgebrauch den „Girls’ Day“, der in Österreich jetzt „Töchtertag“ heiße.

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