Dem BSE-Virus auf der Spur
Fernwald - „Wir kennen die drei Buchstaben BSE zur Bezeichnung einer bestimmten Krankheit, aber was hat das mit der deutschen Sprache zu tun?“ Diese Frage stellte der Regionalvorsitzende für Mittelhessen im Verein Deutsche Sprache e. V. Adolf Wallbott (Annerod), seinen Vorstandskollegen nach seiner Rückkehr von der VDS-Bundesdelegiertenversammlung in Merseburg in Sachsen-Anhalt.BSE stehe nicht nur für die Krankheit Rinderwahn, sondern auch für „Bad Simple English“ – also für die zweifelhafte Vermischung der deutschen und englischen Sprache. Die Delegierten des VDS seien zum Beispiel erstaunt gewesen, dass sie in Merseburg von einem Betrieb mit Namen „Catering“ verpflegt werden sollten.
Ein erfreuliches Ereignis sei die Mitteilung des Kulturamtsleiters von Merseburg gewesen, dass die Stadt dem Verein Deutsche Sprache als Mitglied angehören wolle. Die Stadtverwaltung werde künftig bemüht sein, sich in einem klaren und verständlichen Deutsch auszudrücken. Für die Kommunikation der Verwaltung mit den Bürgern sei die sprachliche Klarheit unabdingbar. Beschlüsse, Mitteilungen, und der allgemeine Schriftverkehr müssten so verfasst sein, dass sie für jeden Bürger verständlich und für den jeweiligen konkreten Sachverhalt eindeutig formuliert seien.
Vor der offiziellen Delegiertenversammlung mit etwa 2000 Gästen habe die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Führung durch Merseburger Dom bestanden. Die Sonderausstellung „Die Merseburger Zaubersprüche“ im Zauberspruchgewölbe sei ein besonderes Erlebnis für die Teilnehmer gewesen. Als ältestes deutschsprachiges Schriftdenkmal mit heidnischem Inhalt hätten sie einen unmittelbaren Bezug zum Austragungsort der Delegiertenversammlung in Merseburg.
Wallbott verwies in seinem Bericht anhand zahlreicher Beispiele auf die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins im zurückliegenden Jahr. Herausragende Glanzlichter seien das „Festspiel der deutschen Sprache“ im Goethe-Theater Bad Lauchstädt, die Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache an Udo Lindenberg und die jährliche Wahl des Sprachpanschers gewesen. In diesem Jahr gebe es fünf Kandidaten für diese Auszeichnung. Favorit sei der Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, der sich mit Fehlleistungen wie „City-Calls“, „Free-Calls“ und „German-Calls“ qualifiziert habe.
Als aktuelles Beispiel für BSE vor Ort nannte Wallbott das Angebot „Fun und Action“, mit dem die Gemeinde Fernwald zur Teilnahme an den Ferienspielen 2011 einlade. Das BSE-Virus sei aber auch in Wiesbaden nachweisbar. In einem Schreiben der Landesregierung werde von einem „Kick-off-Empfang mit get-together“ gesprochen. Dazu komme der Hinweis „Dresscode: Business casual“ in einer Einladung in deutscher Sprache. Der VDS werde solche sprachlichen Entgleisungen nicht widerspruchslos hinnehmen.
Der VDS sei mit seinen über 16 000 ausländischen Mitgliedern in über 100 Ländern der Erde aktiv und daher mit Abstand der größte Verein, der sich um die Pflege der deutschen Sprache kümmere.
Bei der Delegiertenversammlung in Merseburg habe es Teilnehmer aus Ländern wie Japan, Russland, Polen, aber auch aus Ghana und Togo gegeben. Dies beweise, dass der VDS eine international anerkannte Institution sei.